Spielt die Logis­tik in der Uni­kat- und Ein­zel­fer­ti­gung kei­ne Rol­le? –
Wenn doch, wel­che?

Her­aus­ge­ber: LSA Logis­tik Ser­vice Agen­tur

Mit dem Insti­tut für Ein­zel­fer­ti­ger (ife) hat die LSA Logis­tik Ser­vice Agen­tur eine Umfra­ge durch­ge­führt. Trotz tau­sen­der Emp­fän­ger, war die Teil­nah­me­quo­te gering und lie­fer­te kein reprä­sen­ta­ti­ves Ergeb­nis, aber gera­de des­halb den Grund zur Nach­fra­ge.

Das omni­prä­sen­te The­ma Logis­tik 4.0 ist allen Teil­neh­mern wich­tig, nur die Umset­zung kommt sehr zag­haft vor­an. Dies fasst auch den Rest der Umfra­ge gut zusam­men. Die Poten­zia­le wer­den oft­mals gese­hen, jedoch aus unter­schied­li­chen Grün­den nicht aus­ge­schöpft. So war auch die Digi­ta­li­sie­rung in der Logis­tik bis­her kein Anlass das eige­ne Kern­ge­schäft trans­pa­ren­ter zu gestal­ten oder Aus­las­tungs­schwan­kun­gen zu mini­mie­ren.

Die gerin­ge Logis­ti­k­re­le­vanz wird mit feh­len­den Per­so­nal­res­sour­cen, feh­len­der Logis­ti­kos­ten­rech­nung, der klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­mens­grö­ße sowie der Kon­zen­tra­ti­on auf das Kern­ge­schäft beant­wor­tet. Rich­tig ist, ohne Kern­ge­schäft kei­ne Logis­tik. Rich­tig ist aber auch, ohne Logis­tik kein Kern­ge­schäft. Jedes logis­ti­sche Sys­tem dient der effi­zi­en­ten Raum- und Zeit­über­brü­ckung von Infor­ma­tio­nen und Gütern. In jedem Unter­neh­men müs­sen Logis­tik­sys­te­me funk­tio­nie­ren, anders kön­nen sie nicht am Markt bestehen.

Der Umgang mit der Logis­tik erscheint ambi­va­lent…
Die fol­gen­den Aus­sa­gen stüt­zen die­se The­se. Der Umsatz­an­teil der Logis­tik wird von Teil­neh­mern mit 30 % am Gesamt­um­satz ein­ge­schätzt, die antei­li­gen Logis­tik- an den Gesamt­kos­ten mit 25 %. Wäre die Logis­tik ein Unter­neh­men im Unter­neh­men, ergä­be sich eine her­vor­ra­gen­de Umsatz­ren­di­te.

Wider­sprüch­lich wird es, wenn die Logis­tik gleich­zei­tig als Kos­ten­är­ger­nis, Netz­werk­auf­ga­be und Wett­be­werbs­fak­tor gese­hen wird oder die Opti­mie­rung vor der Prä­ven­ti­on steht. Opti­mie­rung setzt eine Wie­der­hol­bar­keit vor­aus, d.h. die Kos­ten müs­sen ein­mal den Büchern ste­hen, um über­haupt einen Bewer­tungs­maß­stab zu haben. Letz­te­res fehlt oft­mals bei ein­ma­li­gen Pro­jek­ten und Pro­duk­ten. Prä­ven­ti­ves Han­deln erfor­dert dage­gen zwangs­läu­fig ein erheb­li­ches Erfah­rungs­wis­sen und Trans­pa­renz. „Ent­schei­den ohne Daten“ wird somit bedeu­tend im demo­gra­fi­schen Wan­del und ist nicht nur ein The­ma für die Digi­ta­li­sie­rung, son­dern für die künst­li­che Intel­li­genz (KI).

KI ist in die­sem Kon­text nicht erschre­ckend, son­dern beherrsch­bar. Aller­dings wer­den die vor­gen­nann­ten Aspek­te nicht als Her­aus­for­de­run­gen für die eige­ne Logis­tik gese­hen. Dort wer­den genannt:

  • kei­ne Zuord­nung von Kos­ten zu Logis­tik­pro­zes­sen,
  • feh­len­de Infor­ma­tio­nen zu Logis­tik­leis­tun­gen/-pro­zes­sen,
  • Logis­tik­dienst­leis­ter (LDL) Qua­li­tät ent­spre­chen nicht den Erwar­tun­gen,
  • LDL Koor­di­na­ti­on ist auf­wen­dig,
  • die Aus­wahl geeig­ne­ter LDL ist schwie­rig,
  • LDL opti­mie­ren Pro­zes­se nicht im Inter­es­se des Ver­la­ders,
  • Quer­schnitts­tä­tig­kei­ten wer­den red­un­dant erle­digt.

Am meis­ten wird die „nicht vor­han­de­ne Stan­dar­di­sie­rung von Logis­tik­pro­zes­sen“ genannt, wäh­rend der Punkt „Logis­tik­ex­per­ten beim Ver­la­der rei­chen nicht aus“ am wenigs­ten Zustim­mung erhält.

Wider­sprü­che kön­nen auf­ge­löst wer­den, wenn die Zie­le und die Posi­ti­on der Logis­tik im Unter­neh­men klar sind. Aus­las­tung, Kos­ten­füh­rer­schaft, Stan­dar­di­sie­rung sind eher Logis­tik­zie­le für die Mas­sen­fer­ti­gung. Der Logis­tik­markt, d.h. die Logis­tik­dienst­leis­ter sind dar­auf aus­ge­rich­tet. Die Logis­tik­zie­le für Ein­zel- und Uni­kat­fer­ti­ger sind eher auf Indi­vi­dua­li­sie­rung, Fle­xi­bi­li­sie­rung und Dif­fe­ren­zie­rung aus­zu­rich­ten. Die Umfra­ge zeigt jedoch eine Ver­mi­schung von kon­kur­rie­ren­den Zie­len und damit kein kla­res Bild, teil­wei­se wer­den gar kei­ne Logis­tik­zie­le im Unter­neh­men for­mu­liert.

Ent­spre­chend schwer fällt es, in die Logis­tik­ent­wick­lung zu inves­tie­ren. Best Prac­tices oder die Visi­on für eine leis­tungs­star­ke Logis­tik feh­len und damit auch der Glau­be, dass sich mit der Logis­tik ein R.O.I für das Unter­neh­mens­er­geb­nis erwirt­schaf­ten lässt.

Logis­tik Moni­to­ring: mehr Trans­pa­renz für mehr Akzep­tanz?
Ein wei­te­res Bei­spiel: die Fra­ge nach der Anzahl der Logis­tik­po­si­tio­nen in der Kos­ten­rech­nung wer­den mit eins bis 15 ange­ge­ben. LSA zählt min­des­tens 300 Posi­tio­nen, indem alle Auf­ga­ben der Raum- und Zeit­über­brü­ckung über den gesam­ten Geschäfts­pro­zess betrach­tet wer­den. Die Logis­tik fängt dabei nicht mit der Abwick­lung von Trans­por­ten oder im Lager an, son­dern in Ver­trieb, Ein­kauf und Kon­struk­ti­on. Dort wer­den die Rah­men­be­din­gun­gen für die Logis­tik gestal­tet. Sind die Kos­ten, aber auch die Leis­tung der Logis­tik in die­sem Umfang bekannt, lässt sich auch der Bei­trag zum Unter­neh­mens­wert leich­ter erken­nen.

Ein wei­te­res Indiz lie­fert die Anga­be, dass die Betei­lig­ten zwi­schen fünf und 40 % ihrer Arbeits­zeit für Auf­ga­ben der Raum- und Zeit­über­brü­ckung auf­wen­den. Mit­ar­bei­ter einer Logis­tik- oder Ver­sand­ab­tei­lung wür­den ohne Zwei­fel 100 % ange­ben, so dass der Ein­druck durch­aus zuläs­sig ist, dass Logis­tik­auf­ga­ben viel­fach eben­so mit­ge­macht wer­den oder gar nicht bewusst sind.

Die Fra­ge „Wer orga­ni­siert Ihre Logis­tik?“ beant­wor­ten 55 % mit dem Ein­kauf oder ande­re. Unter „ande­re“ fal­len der Ver­trieb und die Betriebs­lei­tung. Nahe liegt, dass die Logis­tik­ab­tei­lung mit 45 % am häu­figs­ten genannt wird.

Eine Unwucht ent­steht, wenn nur 33 % eine zen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on ange­ben, wei­te­re 11 % dezen­tral orga­ni­siert sind (gemeint ist hier werks­sei­tig) und ein auf­fal­lend hoher Anteil von 33 % die Pro­jekt­orga­ni­sa­ti­on nennt. Bei den ver­blei­ben­den 13 % Pro­zent ist die Orga­ni­sa­ti­on offen.

Aller­dings ergibt sich auch ein Rück­schluss aus der Umfra­ge: Teil­neh­mer mit einer umfang­rei­che­ren Logis­tik­kos­ten­kal­ku­la­ti­on neig­ten eher dazu, die Prä­ven­ti­on vor der Opti­mie­rung zu sehen. In der Fol­ge könn­te gel­ten: je höher die Trans­pa­renz, des­to bes­ser die Logis­tik­or­ga­ni­sa­ti­on.

Die genann­ten Zah­len füh­ren zu unter­neh­mens­stra­te­gi­schen Fra­gen zur zukünf­ti­gen Aus­rich­tung, die idea­ler­wei­se Ant­wort­mög­lich­kei­ten wie „Logis­tik ist gleich Trans­port“, „Logis­tik ist ein Kos­ten­är­ger­nis“ oder „Neu­tral“ aus­schlie­ßen und die Logis­tik als „Wett­be­werbs­vor­teil“ und „Steue­rungs­ele­ment“ in den Vor­der­grund stel­len. Wie ein­gangs in die­sem Papier dar­ge­stellt, wird dies von eini­gen Unter­neh­men schon erkannt, jedoch nicht for­mu­liert.

Make, buy oder hybri­de Lösun­gen
Grün­de für das Out­sour­cing, also „buy“, an Logis­tik­dienst­leis­ter gibt es vie­le. Am häu­figs­ten wer­den die

  • Nut­zung von exter­nen Know-how,
  • Kos­ten­er­spar­nis­se,
  • die Absi­che­rung gegen Aus­las­tungs­schwan­kun­gen,
  • die Pro­zess­op­ti­mie­rung,
  • die auf­wen­di­ge Logis­tik­steue­rung oder die
  • effi­zi­en­te­re Nut­zung von Lager­flä­chen genannt.

In Deutsch­land gibt es rund 15.000 Spe­di­teu­re, aber wel­cher ist für wel­chen Zweck der Rich­ti­ge? Wenn man einen Con­tai­ner oder eine Kis­te im Hafen auf ein Schiff ver­lädt, beauf­tragt man direkt oder indi­rekt min­des­tens acht Insti­tu­tio­nen, das glei­che im Emp­fangs­ha­fen. Von deren Steue­rung und Kon­trol­le hängt die Lie­fer­fä­hig­keit ab – wenn man sich nicht auf sein Glück ver­las­sen will. Dabei ist der Spe­di­teur per Gesetz gar nicht ver­pflich­tet den Trans­port durch­zu­füh­ren, er besorgt ihn nur erst­mal.

40 Pro­zent der offen­sicht­li­chen Logis­tik­auf­ga­ben sind fremd­ver­ge­ben, davon die Trans­por­te zu 70 %. Dem gegen­über ste­hen 60 % der offen­sicht­li­chen Logis­tik­auf­ga­ben wel­che In-House erle­digt wer­den. Dar­in nicht ent­hal­ten sind die ver­deck­ten Kos­ten und Akti­vi­tä­ten, z. B. in Kon­struk­ti­on, Ein­kauf und Ver­trieb.

Für das „make“, d.h. für die In-House Logis­tik, wer­den fol­gen­den Grün­de genannt:

  • die Logis­tik gehört zur Kern­kom­pe­tenz,
  • Kon­trol­le über eige­ne Pro­zes­se,
  • Unab­hän­gig­keit von Dienst­leis­tern,
  • Kos­ten­ein­spa­run­gen.

Neue hybri­de Lösun­gen arbei­ten in der Schnitt­stel­le zwi­schen In-House Logis­tik und Out­sour­cing und kom­bi­nie­ren die jewei­li­gen Vor­tei­le von „make or buy“. Logis­tik 1.0 und 4.0 ergän­zen sich somit gut. Logis­ti­ker 1.0 arbei­ten eben nicht mit der Dampf­ma­schi­ne, wenn man den Indus­trie­be­griff 1.0 bemüht, son­dern schaf­fen durch­aus adäqua­te Lösun­gen, z. B. mit dem eige­nen Fuhr­park. Logis­ti­ker 4.0 arbei­ten ent­spre­chend für die Ver­net­zung und Inte­gra­ti­on logis­ti­scher Pro­zes­se – inner- und außer­halb von Unter­neh­men – bis hin zu einer Echt­zeit­steue­rung der logis­ti­schen Netz­wer­ke – und das bewusst ohne eige­nes Equip­ment. Es wird eben nicht zuerst Aus­las­tung über Lade­me­ter oder Qua­drat­me­ter ver­kauft, son­dern Lösun­gen geschaf­fen.

Mit Logis­tik 4.0, bzw. all­ge­mein mit dem The­ma Digi­ta­li­sie­rung in der Logis­tik, beschäf­ti­gen sich vie­le Unter­neh­men. 56 % der Befrag­ten sehen dar­in die Mög­lich­keit mehr Trans­pa­renz in der Zulie­fer- und Ver­sand­ket­te zu errei­chen. Eine Inte­gra­ti­on der logis­ti­schen Pro­zes­se wün­schen sich 33 %. Die dis­rup­ti­ve Eigen­schaft der Digi­ta­li­sie­rung, in dem neue Geschäfts­mo­del­le und Part­ner­netz­wer­ke gebil­det wer­den, erken­nen 11 %. Aller­dings sieht kein Teil­neh­mer die Mög­lich­keit zur reak­ti­ons­schnel­len Umge­stal­tung der Lie­fer­ket­te, wel­che jedoch zwei­fels­oh­ne gege­ben ist.

Die Chan­cen wer­den dage­gen in der Auto­ma­ti­sie­rung der Infor­ma­ti­ons­lo­gis­tik, der Ver­net­zung der Wert­schöp­fungs­ket­te und der Opti­mie­rung der Pro­zes­se gese­hen.

Die Her­aus­for­de­run­gen wer­den in

  • unvoll­stän­di­gen Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen,
  • dem gerin­gen Erfah­rungs­schatz hin­sicht­lich Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten,
  • im ste­ti­gen Fle­xi­bi­li­täts­an­spruch oder den
  • gerin­gen Stan­dar­di­sie­rungs­mög­lich­kei­ten gese­hen.

Trotz gerin­gem Bud­get für Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te, knap­pen Per­so­nal­res­sour­cen und feh­len­den „Anlei­tun­gen“, ist der ein­zi­ge Weg „ein­fach machen“. Erst ein­mal klei­ne­re Pro­jek­te mit schnel­len Ergeb­nis­sen wagen – wer direkt alle Pro­zes­se durch­gän­gig digi­ta­li­sie­ren will, wird womög­lich an der Kom­ple­xi­tät schei­tern.

Fazit
Noch erscheint es so, dass die Logis­tik bei Ein­zel- und Uni­kat­fer­ti­gern eher als Abwick­lungs­funk­ti­on denn als Gestal­tungs- und Steue­rungs­in­stru­ment gese­hen wird. Sie muss kein Kos­ten­är­ger­nis sein und auch nicht als rei­ne Spe­di­ti­ons­auf­ga­be daher­kom­men, son­dern kann aktiv zum Unter­neh­mens­ge­winn bei­tra­gen.

Jen­seits der Kos­ten sind Durch­lauf­zei­ten stets ein The­ma. Eine effi­zi­en­te Logis­tik kann Pro­jek­te beschleu­ni­gen. Dafür muss das Logis­tik­ma­nage­ment, unab­hän­gig von der Unter­neh­mens­grö­ße, den ent­spre­chen­den Metho­den­bau­kas­ten parat haben und die Logis­tik 1.0 genau­so beherr­schen wie die Logis­tik 4.0 plus.

Zur Unter­stüt­zung gibt es neben den „make“ or „buy“ Lösun­gen auch die hybri­de Opti­on. Sol­che exter­nen Logis­tik­dienst­leis­ter (auch 4PL genannt) arbei­ten eng mit der In-House Logis­tik zusam­men, wodurch das Know-how im Unter­neh­men ver­bleibt und kei­ne unge­woll­te Abhän­gig­keit ent­steht.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen:
Herr Roger Heid­mann
T +49 471 48 36 26 45
roger.heidmann@logistik-service-agentur.de

Zur LSA
Die LSA Logis­tik Ser­vice Agen­tur GmbH ist ein Logis­tik­dienst­leis­ter der neu­es­ten Genera­ti­on (4PL) mit dem Schwer­punkt Los­grö­ße 1+. Die ein­ma­li­ge Kom­bi­na­ti­on aus For­schung und Ent­wick­lung, Stand­ort­ent­wick­lung und Logis­tik­ma­nage­ment bie­ten die neu­es­ten Inhal­te für Ihre Unter­neh­mens­lo­gis­tik – ad hoc und sta­te of the art. Das Port­fo­lio wur­de noch durch die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on erwei­tern, wenn­gleich Digi­ta­li­sie­rung schon immer eine Rol­le spiel­te.

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