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Der Brexit und die Folgen für die Kreditversicherungswirtschaft

Wird es ein harter Brexit oder kommt es doch noch zu einem Abkommen? Die Unsicherheit über den Ausstieg Großbritanniens ist groß. Darauf reagieren nicht nur Unternehmer, sondern auch Kreditversicherer und Finanzierungsgesellschaften. Ein Blick hinter die Kulissen aus Sicht der GFL.

Am 23. Juni 2016 haben die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Die praktischen Konsequenzen für Bürger und Unternehmen waren zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch nicht in dieser Klarheit absehbar. Drei Jahre später sind die Konsequenzen aus dieser Wahl spürbar, aber es gibt immer noch kein klares Szenario WANN und vor allem WIE die Briten die EU verlassen.

Die Wirtschaft hat sich zum Großteil längst auf das Worst-Case-Szenario eingestellt. Dennoch sind die Prognosen eher optimistisch: So geht der Kreditversicherer Euler Hermes davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits bei rund 25 Prozent liegt. Auch bei A.B.S. Global Factoring ist man zuversichtlich, „dass es zu einer vernünftigen Lösung zwischen der EU und UK kommen wird, die zu einer Normalisierung der Handelsbeziehungen führt“, so Geschäftsführer Thorsten Klindworth.

Aber ehrlicherweise ist nicht nur ein harter Brexit mit Folgen für deutschen Firmen verbunden: Neben den britischen Unternehmen wären die deutschen Exporteure die größten Verlierer bei einem harten Ausstieg. Laut Zahlen von Euler Hermes stünden Ausfuhren in Höhe von acht Milliarden Euro auf der Kippe. Aktuell gibt es in Großbritannien zudem rund 2.500 deutsche Unternehmen. Von ihnen haben viele bereits Sitzverlegungen angekündigt oder vollzogen. Dabei spielt der in London sehr stark vertretene Banken- und Versicherungs-Sektor eine wichtige Rolle, dem sich GFL als Spezialversicherungsmakler ebenfalls bedient.

Die Unsicherheit über den Brexit wirkt sich nach Expertenmeinung auch auf das deutsche Insolvenzgeschehen aus. So ist die Zahl der Firmenpleiten laut Statistischem Bundesamt im Januar auf 1.700 und damit um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Auch Klindworth verfolgt „die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland mit Sorge“. „Wir sehen einen deutlichen Trend nach oben“, so der Geschäftsführer, „auch wegen der anhaltenden Brexit-Diskussionen.“

Für Unternehmer könnte das Druck von zwei Seiten auslösen: Nicht nur steigt durch vermehrte Insolvenzen das Risiko von Zahlungsausfällen, auch viele Kreditversicherer werden wohl zurückhaltender bei der Zeichnung von Limiten. „Es zeigt sich schon jetzt, dass die Kreditversicherer auf die Bremse treten und vorsichtiger werden“, bestätigt auch Klindworth. „Viele Warenkreditlimite werden in Zukunft wohl wesentlich zurückhaltender oder gar nicht mehr gezeichnet, auch die Prämien werden nach langer Zeit wohl steigen, Selbstbehalte werden angehoben.“ Das zurückhaltende Zeichnungsverhalten einiger Kreditversicherer halte er jedoch für „stark übertrieben und aktionistisch“.
Dennoch kommt auch die Factoringgesellschaft nicht umhin, den Weg ein Stück weit mitzugehen. Auch bei A.B.S. sei man etwas vorsichtiger geworden, bestätigt Klindworth, insbesondere bezüglich der etwas schwächeren Ratingklassen. Bedingt sei das aber auch durch die restriktivere Zeichnungspolitik der Kreditversicherer, von denen der Factor ein Stück weit abhängig ist.

Neben der veränderten Zeichnungspolitik könnte der Brexit aber noch ganz andere Auswirkungen auf die internationalen Versicherer haben. So hat sich etwa Coface zwar dazu entschlossen, seine Präsenz in Großbritannien auch nach dem Brexit beizubehalten, der Kreditversicherer stellt sich jedoch darauf ein, dass die Dienstleistungsfreiheit empfindlich eingeschränkt werden könnte. EU-Kunden würden dann von Anbietern betreut, die in der EU lizensiert sind, britische Kunden von UK-lizensierten Anbietern.

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Marcus Sarafin

Geschäftsführender Gesellschafter, GFL Makler- und Beratungsgesellschaft mbH & GFL Finanzierungs-GmbH & Co. KG