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Nachhaltige Produktion — höhere Profitabilität

Nachhaltige Produktion — höhere Profitabilität

Nachhaltiges Handeln mit dem langfristigen Ziel einer möglichst klimaneutralen Produktion rückt auch im Umfeld der Losgröße 1+ verstärkt in den Fokus der unternehmerischen Aktivitäten. In diesem Zusammenhang wirken verschiedenste ökonomische, ökologische, politische und gesellschaftliche Einflussfaktoren auf die Entscheidungsträger in mittelständischen Fertigungsunternehmen ein. Um die gesetzgeberischen Regularien zu erfüllen und zugleich der gestiegenen Erwartungshaltung der Marktteilnehmer, beispielsweise der Kunden und Endverbraucher, gerecht zu werden, benötigen sie auf Dauer nachvollziehbare Strategien für ein wirksames Klimamanagement. Für eine schnelle Umsetzung ist dabei ein schrittweises Vorgehen vorteilhaft, das sich zum einen an der Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben, zum anderen aber auch an der realistischen Umsetzbarkeit und der konkreten Wirksamkeit der Maßnahmen orientiert. Ein weiterer Aspekt, der zunehmend in den Fokus rückt, ist der, dass nachhaltiges Produzieren dank des Einsatzes innovativer Verfahren die Profitabilität merklich steigern kann.

 

Auch die Verantwortlichen in mittelständischen Unternehmen der Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung sind gefordert, sich mit Themen wie der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD) oder dem Digitalen Produktpass (DPP) zur datentechnischen Erfassung des vollständigen Lebenszyklus‘ aller in ihren Produkten verbauten Bauteile und Materialien intensiv zu befassen. Selbst, wenn für kleinere Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitenden im Rahmen gewisser Übergangszeiten noch nicht alle Regularien gelten, die größere Unternehmen und Konzerne erfüllen müssen, ist es ratsam, das Thema weit oben auf die Tagesordnung zu setzen. Denn im Zuge eines generell gestiegenen Umweltbewusstseins schauen beim Thema Nachhaltigkeit alle Marktbeteiligten genauer hin: seien es gesellschaftliche Gruppen, die sich für ökologische Belange engagieren, seien es die Produktabnehmer (z. B. Maschinenbetreiber) und deren Kunden, sei es die eigene Belegschaft, sei es der Wettbewerb oder seien es Finanzinstitutionen und Banken, die für die Vergabe von Krediten bestimmte umweltbezogene Kriterien zugrunde legen. Da es nicht zuletzt um die Verringerung des eigenen Ressourcenverbrauchs geht, verbessern die Unternehmen in diesem Zuge nicht nur ihre eigene Umweltbilanz, sondern können auch ihre Materialbeschaffungskosten verringern. Ins Spiel kommen folglich neben konkret messbaren, monetären Aspekten auch weichere Faktoren wie die Wahrnehmung des Unternehmens in der öffentlichen Meinung.

 

Die Kategorisierung der Treibhausgasemissionen

Gemäß dem Greenhouse Gas Protocol unterteilt sich der CO2-Fußabdruck von Firmen in drei Kategorien, die sogenannten Scopes. Scope 1 umfasst alle direkten und eigenerzeugten Treibhausgasemissionen, die vorrangig aus der Verbrennung von Primärenergieträgern wie Heizöl, Erdgas, Benzin oder Diesel entstehen. Scope 2 umfasst die energiebezogenen indirekten Treibhausgasemissionen, zu denen verbrauchte Sekundärenergieträger wie Strom, Fernwärme, Dampf oder Kühlungsenergie zählen. Scope 3 schließlich umfasst alle sonstigen indirekten Treibhausgasemissionen, die sich schwerpunktmäßig aus den Unternehmenstätigkeiten und den gesamtbetrieblichen Abläufen ergeben. Die Emissionen dieser dritten Gruppe entstammen diversen Quellen entlang der Wertschöpfungskette, die nur zum Teil unter der Kontrolle der produzierenden Unternehmen stehen, wodurch sie wesentlich schwerer zu identifizieren und damit auch wesentlich schwerer zu reduzieren sind. Dazu zählen Aspekte des Transportwesens und der Supply Chain ebenso wie der Bezug und die Nutzung von Waren und Dienstleistungen, die Nutzung von Papier und Wasser, die Entsorgung von Abwasser und Müll, der Energieverbrauch in vermieteten oder angemieteten Immobilien und Sachanlagen, Geschäftsreisen oder auch das Pendeln der Mitarbeiter:innen zu den jeweiligen Firmenstandorten, zu Service- oder Montageeinsätzen. Ein weiterer Punkt ist die Berücksichtigung des kompletten Lebenszyklus‘ der produzierten Produkte mitsamt der von ihnen verbrauchten Ressourcen und Materialien sowie ihrer Entsorgung. Um die Anteile der Treibhausgasemissionen der einzelnen Scopes in Relation zueinander zu setzen, sei auf das Ergebnis einer Studie des Carbon Disclosure Project (CDP) von 2022 verwiesen. Darin heißt es, dass bei jenen Unternehmen, deren Zahlen dem CDP vorliegen, die Emissionen aus der Lieferkette durchschnittlich elfmal so hoch sind wie die betrieblichen, unmittelbar die Fertigung betreffenden Ausstöße.

 

Schrittweises Vorgehen

Die Frage stellt sich, welche konkreten Schritte Mittelständler aus dem Umfeld der Losgröße 1+ auf dem Weg zu mehr Klimaneutralität in welcher Reihenfolge einleiten sollten. Zunächst empfiehlt es sich, eine oder mehrere Personen zu benennen, die für die Bearbeitung von Nachhaltigkeitsthemen zuständig sind und die Relevanz des Themas gemeinsam mit der Geschäftsführung in das jeweilige Unternehmen tragen. Nachdem vorab der aktuelle Treibhausgasausstoß ermittelt wurde, geht es im Anschluss um die Formulierung realistischer Klimaschutzziele für den eigenen Betrieb. Zuerst sollte es dann um die Senkung der bislang erzeugten Emissionen durch geeignete Energieeffizienzmaßnahmen und danach um die Gewinnung bzw. die Nutzung erneuerbarer Energien gehen. Wo sich der Energieverbrauch als Folge der Produktfertigung nicht vermeiden lässt, rücken kompensatorische Maßnahmen für den erfolgten ökologischen Schaden in den Fokus. Bestes Beispiel hierfür ist der EU-Emissionshandel für CO2.

Wichtig ist es, die eingeleiteten Maßnahmen zu dokumentieren und — wo immer es möglich und sinnvoll ist — von seriösen Institutionen zertifizieren zu lassen, bevor sie an alle Marktteilnehmer kommuniziert werden. Aus dieser Bekanntmachung ergeben sich im Idealfall weitere Optimierungsmöglichkeiten, beispielsweise durch die verstärkte Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen, Transporteuren und Spediteuren, Lieferanten und Fremdfertigern. Ebenfalls essenziell ist die immer wiederkehrende Bewertung und Überprüfung der eigenen Aktivitäten, um weiteres Verbesserungspotenzial zu heben.

 

Schaut man sich in der Praxis um, zeigt sich schnell, dass nachhaltiges Handeln nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch auf anderen Ebenen Vorteile bringt. Der bayerische Verpackungsmaschinenhersteller Somic setzt auf „gelebte Regionalität“, was unter anderem bedeutet, dass die meisten Zulieferer im direkten Umkreis des Firmenstandorts angesiedelt sind. Die kurzen Transportwege und der Einsatz nachhaltiger Transportlösungen minimieren dabei nicht nur den eigenen ökologischen Fußabdruck, sondern sorgen darüber hinaus auch für eine schnelle und sichere Versorgung mit den notwendigen Teilen.

 

Nachhaltigkeit in der Praxis

Ein weiterer Baustein im Nachhaltigkeitskonzept des bayerischen Mittelständlers ist eine möglichst lange Lebensdauer der Maschinen. So wird eine spätere Anpassung auf neue Produkte oder Formate von Beginn an eingeplant. Die Programmierung neuer Formatprogramme mittels Remote-Control geht nicht nur schnell vonstatten, sondern spart zudem Reisekosten und viele Auto- oder Flugkilometer. Außerdem können neue Formatteile auch für alte Maschinen gefertigt werden — selbst wenn sie ursprünglich aus den 1990er-Jahren stammen. Der Einsatz modernster, servogesteuerter Antriebe reduziert darüber hinaus den Stromverbrauch, etwa durch Energierückgewinnung. Bei allen Somic-Maschinenkonzepten werden von Anfang an die Verbrauchsdaten mitberücksichtigt. Ein ressourcenschonender Einsatz von Betriebsstoffen bringt den Kunden Einsparungen aufseiten der jeweiligen Verbrauchseinheiten und damit auch mit Blick auf die laufenden Betriebskosten. Zudem ist der Mittelständler bestrebt, seinen Kunden die maximale Leistung auf minimalem Raum zu liefern, was neben dem Platzbedarf auch die Lärmemissionen senkt.

Ähnlich wie Somic setzt auch der Siegerländer Walzanlagenhersteller Achenbach Buschhütten auf technologische Innovation zur Erlangung von größerer Klimaneutralität.  Dort verpflichtet man sich getreu dem Leitbild „Green.Lean.Digital.“ nicht nur, die eigene Produktion und das Verhalten im Arbeitsalltag nachhaltig zu gestalten, sondern möchte letztlich durch die Produkte selbst langfristig den größten Einfluss in Sachen Klimaneutralität nehmen. Nämlich dann, wenn die Kunden dank innovativer Produktlösungen und nachhaltiger Produktionsverfahren weniger Energie und/oder weniger Verbrauchsmittel benötigen. Ein Beispiel sind die modernen Rektifikationsanlagen, welche die thermische Abscheidung von Fremdölen aus dem Walzöl und dessen Rückführung in neuwertiger Qualität in den Produktionskreislauf übernehmen.

 

Technologische Innovation senkt Verbrauch

Im thermischen Bereich bietet Achenbach ebenfalls innovative Systeme an, darunter eines zur Bandkanteninduktion, das Energie zielgenau an den Bedarfspunkt leitet. Dies führt sowohl zu einer drastischen Einsparung als auch zu einer in Summe höheren Ressourceneffizienz durch weniger Bandabrisse der sehr dünnen Aluminiumfolien, die über die Walzen laufen. Auch im Bereich der Antriebssysteme für Walzwerke hat das weltmarktführende Unternehmen ein neues Produkt entwickelt, das die benötigte Antriebsenergie zum Walzen deutlich energieeffizienter bereitgestellt, da auf verlustbehaftete Komponenten im Antriebsstrang, z. B. Getriebe, verzichtet werden kann. Und dank einem sogenannten Energy Management Tool können die Walzanlagenbetreiber bereits heute den Gesamtstromverbrauch ihrer Anlagen sowie den Verbrauch einzelner Antriebe überwachen und in Echtzeit in Bezug zu ihren Produktionsdaten setzen, um so Einsparpotenziale im Masch inenbetrieb ausfindig zu machen. Zudem lässt sich auf dieser Basis auch der produktbezogene CO2-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgen. So bietet Achenbach seinen Kunden die Möglichkeit, perspektivisch das umzusetzen, was dem Unternehmen selbst gelungen ist: eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 60 Prozent zwischen 2013 und 2023. Das ehrgeizige Ziel besteht nun darin, bis 2030 am Standort Buschhütten bei „Net Zero“ zu sein.

Sowohl Somic als auch Achenbach zeigen, was technologisch führende Mittelständler aus dem Umfeld der Losgröße 1+ leisten können, um nicht nur selbst ressourcen- und klimaschonender zu produzieren, sondern dies auch ihren Kunden zu ermöglichen. Wenn eine ökologischere Herstellung von Produkten gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit unterstützt, profitieren alle: Umwelt, Gesellschaft und Unternehmen.

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