Manage­ment . Stra­te­gie

Nut­zen 4.0

von Man­fred Deu­es, Vor­stands­vor­sit­zen­der der ams.Solution AG

Manfred Deues

Man­fred Deu­es, Vor­stand ams.Solution AG

Die vier­te indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on „greift nach den Ster­nen“ – wenig zurück­hal­tend stellt sie die voll­stän­di­ge Inte­gra­ti­on der indus­tri­el­len Wert­schöp­fung in Aus­sicht. Ohne Fra­ge ist dies eine fas­zi­nie­ren­de Per­spek­ti­ve, doch wis­sen die Ver­ant­wort­li­chen bereits, wozu sie die Ent­wick­lungs­chan­cen eigent­lich nut­zen wol­len? Zeich­nen sich tat­säch­lich schon Geschäfts­mo­del­le ab, die eine Inves­ti­ti­on zum jet­zi­gen Zeit­punkt recht­fer­ti­gen?

Fra­gen zur wirt­schaft­li­chen Ver­wert­bar­keit von Inno­va­tio­nen sind immer etwas läs­tig. Ger­ne gehen Ent­schei­der die­sem The­ma „noch eine Wei­le aus dem Weg“, so lang das ver­tret­bar erscheint. Das Leit­the­ma „Inte­gra­ted Indus­try, Crea­ting value“ der „Han­no­ver Mes­se“ ist daher bemer­kens­wert. Es führt den Nut­zen ins Zen­trum der Über­le­gun­gen zurück. Hier eine klei­ne Erin­ne­rungs­stüt­ze: Anfang 2011 war­fen füh­ren­de Köp­fe der „For­schungs­uni­on Wirt­schaft – Wis­sen­schaft“ in der Fach­zei­tung vdi nach­rich­ten die unbe­que­me Fra­ge auf, wie sich Deutsch­land als Pro­duk­ti­ons­stand­ort im glo­ba­len Wett­be­werb noch behaup­ten kann. Die Ant­wort lie­fer­ten die Autoren gleich mit. Der Weg füh­re über „cyber-phy­si­sche Sys­te­me“, die es Maschi­nen, Anla­gen, Werk­zeu­gen und Werk­stü­cken erlau­ben, sich ent­lang des gesam­ten Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­pro­zes­ses wech­sel­sei­tig zu syn­chro­ni­sie­ren. Ziel sei eine umfas­sen­de Pro­zess­op­ti­mie­rung in Echt­zeit.

In einer sol­chen Fer­ti­gungs­welt kon­zen­trie­ren sich die Ein­grif­fe des Men­schen auf das Set­zen der Ziel­vor­ga­ben, das Hand­ling der Aus­nah­men, die Instand­hal­tung der Pro­duk­ti­ons­mit­tel und das Ver­mark­ten der Erzeug­nis­se: Ein Ansatz, der wie gemacht ist für die stark arbeits­tei­li­ge Seri­en­fer­ti­gung und in dem es auf ein Höchst­maß an effi­zi­en­ten Just-in-time-Abläu­fen ankommt. Mit Indus­trie 4.0 ver­bin­det sich der Wunsch die­ser Unter­neh­men, ihre Pro­duk­te kos­ten­scho­nend zu indi­vi­dua­li­sie­ren, um die sich immer schnel­ler ändern­den Kun­den­wün­sche wirt­schaft­lich erfül­len zu kön­nen. Es ist also kein Zufall, dass die bis­he­ri­gen Erfolgs­ge­schich­ten vor­zugs­wei­se im Auto­mo­bil­bau geschrie­ben wer­den.

Wie aber voll­zieht sich nun der Wan­del in den vie­len Berei­chen unse­rer Fer­ti­gungs­in­dus­trie, die weit weni­ger gut stan­dar­di­sie­ren kön­nen? Genau­er gefragt: Wel­ches Nut­zen­po­ten­ti­al ergibt sich für all die­je­ni­gen Unter­neh­men, die als Ein­zel- und Auf­trags­fer­ti­ger vor­wie­gend kun­den­be­zo­gen arbei­ten und in jedem Pro­jekt ein hohes Maß an Inno­va­ti­on mana­gen müs­sen? Hier­mit sind kei­nes­wegs exo­ti­sche Ein­zel­fäl­le gemeint. Im Gegen­teil – gemeint sind wei­te Tei­le der Inves­ti­ti­ons­gü­ter­in­dus­trie, die den Kern der indus­tri­el­len Wert­schöp­fung Deutsch­lands bil­det.

Zwei­fel­los grei­fen auch Ein­zel­fer­ti­ger immer häu­fi­ger auf Stan­dard­bau­grup­pen zurück. Nur dann sind sie in der Lage, die Ent­wick­lungs- und Fer­ti­gungs­kos­ten ihrer Pro­duk­te kon­kur­renz­fä­hig zu hal­ten. Gleich­wohl liegt der Anteil der Stan­dard­bau­tei­le bes­ten­falls bei 60 %. Der Rest ist Engi­nee­ring. Indus­trie 4.0 kann daher nur flan­kie­rend wir­ken. Wie wett­be­werbs­fä­hig ein Ein­zel­fer­ti­ger wirk­lich ist, ent­schei­den die Fin­dig­keit sei­ner Pro­dukt­ent­wick­ler, das Fer­ti­gungs­wis­sen sei­ner Werker und die Manage­ment­qua­li­tä­ten sei­ner Pro­jekt­lei­ter. Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie-Sys­te­me kön­nen die­ses Pro­jekt­ma­nage­ment nur unter­stüt­zen, nicht erset­zen. Ihre Auf­ga­be ist es, den Ver­ant­wort­li­chen ein Maxi­mum an Pro­zess­trans­pa­renz zu geben.

Ein­zel­fer­ti­ger betre­ten mit jedem Kun­den­auf­trag Neu­land. Dabei ist ein Maxi­mum an Umsicht, Erfah­rung und Risi­ko­be­reit­schaft gefragt. Der Erfolg die­ser Unter­neh­men hängt daher von Qua­li­tä­ten ab, die bis auf Wei­te­res deut­lich über die Fähig­kei­ten von Lösun­gen hin­aus­ge­hen, die mit künst­li­cher Intel­li­genz arbei­ten. Solan­ge es den Kun­den­wunsch nach Wett­be­werbs­dif­fe­ren­zie­rung gibt, hat die indus­tri­el­le Fer­ti­gung auch in einer Hoch­lohn­re­gi­on wie Deutsch­land eine Zukunft. So gese­hen wird Indus­trie 4.0 die Nach­fra­ge nach Son­der­ma­schi­nen und Anla­gen sogar noch stei­gern, denn je mehr die stan­dar­di­sier­ba­ren Tei­le der Wert­schöp­fung „cyber-phy­sisch“ gesteu­ert wer­den, des­to stär­ker wächst der Druck auf die Seri­en­fer­ti­ger, sich über inno­va­ti­ve Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en neue Wett­be­werbs­vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Pass­ge­naue Inno­va­tio­nen sind dann die ein­zi­ge Ver­si­che­rung gegen die „Gleich­ma­che­rei“, die von der Stan­dar­di­sie­rung her­kömm­li­cher Tech­no­lo­gi­en aus­geht.

Ein Anwen­dungs­feld, auf dem das Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment noch beson­ders „viel Luft nach oben hat“, ist das Ser­vice­ma­nage­ment. Hier bie­tet die Digi­ta­li­sie­rung den Ein­zel­fer­ti­gern viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, die Lauf­zei­ten und den Wir­kungs­grad ihrer Pro­duk­te noch ein­mal deut­lich zu stei­gern. Das zeig­ten auch die Bera­ter von ams.Solution auf der Han­no­ver Mes­se. Vor die­sem Hin­ter­grund steht nicht zu erwar­ten, dass Deutsch­lands engi­nee­ring-getrie­be­nen „Hid­den Cham­pi­ons“ die Arbeit in abseh­ba­rer Zeit aus­ge­hen wird.

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