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Geldanlage im Unternehmen –
Eine Kurzanleitung


Wir werden noch eine ganze Weile mit einer extrem lockeren Geldpolitik der Zentralbanken leben müssen. Mit einfachen Zinsanlagen lässt sich deshalb in den kommenden Jahren kein Geld mehr verdienen. Und es kann noch schlimmer kommen: Viele Bankexperten gehen davon aus, dass vor allem Firmenkunden mit größeren Guthaben in naher Zukunft einen Negativzins werden zahlen müssen. Grund genug, die betriebliche Geldanlage zur Chefsache zu machen. Wer nicht gerade wie Siemens oder der Maschinenbauer Trumpf seine eigene Bank gründen kann, wird mit einem Teil seiner liquiden Mitteln höher ins Risiko gehen müssen. Und damit sind wir schnell beim Thema Aktien.

Dividenden sind leider nicht die neuen Zinsen

Sehr häufig hört man inzwischen, dass dividendenstarke Aktien eine gute Alternative zu Zinsanlagen seien. Ich befürchte, dass diese Aussage bei vielen Investoren eine falsche Erwartungshaltung erzeugt. Sicherlich bildet eine konstante Dividendenzahlung einen guten Risikopuffer gegen Kapitalverluste. Aber nur auf lange Sicht. Wer sehr langfristig investiert, mag sich damit trösten können, dass durch die jährlichen Dividenden irgendwann auch Verlierer-Aktien eine positive Rendite aufweisen. Telekom-Aktionäre der ersten Stunde wissen, wovon ich spreche. Für die betriebliche Geldanlage kann eine Buy-and-hold-Strategie mit Dividendenaktien aber keine Lösung sein. Ich empfehle Ihnen, die Geldanlage in Ihrem Unternehmen wie folgt anzugehen:

Erstens: Lockrufe überhören

In Niedrig-Zins-Phasen haben die Finanzalchemisten der Banken ihre Hochkonjunktur. Wie am Fließband werden synthetische Finanzprodukte und Fonds auf den Markt geworfen, die attraktive Erträge bei zu vernachlässigendem Risiko versprechen. Offensichtlich bauen die Marketingabteilungen darauf, dass Anleger unter Anlagedruck ein sehr kurzes Gedächtnis haben: Es waren genau solche synthetischen Zertifikate und intransparenten Fonds, die nach der Lehman-Pleite den größten Schaden angerichtet haben. Alle Anbieter kochen mit dem gleichen Wasser, risikolose Erträge gibt es nicht. Finanzprodukte sind wie Eisberge: Die wahren Risiken liegen nicht sichtbar unter der Oberfläche. Brauchen Sie solche zusätzlichen Risiken wirklich? Ihr Kerngeschäft ist doch schon riskant genug.

Zweitens: Umdenken im Kopf

So banal es klingt: Im Gegensatz zu Ihrem Kerngeschäft stehen Sie bei der Geldanlage nicht im Wettbewerb mit anderen. Sie müssen die Märkte nicht schlagen. Es reicht völlig aus, die durchschnittliche Marktperformance zu erwirtschaften. Nehmen Sie eine demütige Grundhaltung ein. Worauf es bei der Geldanlage wirklich ankommt sind Fehlervermeidung, Kostensenkung und die Kontrolle des Risikos durch eine strikte Verlustbegrenzung.

Drittens: Töpfe bilden

Klären Sie, welchen Teil Ihrer liquiden Mittel Sie innerhalb der kommenden zwölf Monate definitiv brauchen werden. Diese Summe kommt in einen Liquiditätstopf, der keinen Kursschwankungen ausgesetzt werden sollte. Hier nehmen Sie ganz bewusst Null- oder Negativzinsen in Kauf. Die übrige Summe mit einem längeren Anlagehorizont kommt als strategische Kriegskasse in ein gemischtes Wertpapierdepot mit Aktien und Anleihen. Die maximale Aktienquote sollte zwischen 25 und 50 Prozent liegen, je nachdem welche Rückschläge Sie in diesem Topf bereit sind zu tragen. Denn auch bei konsequenter Verlustbegrenzung braucht es immer etwas Reaktionszeit, bis die Reißleine greift.

Viertens: Instrumente und Regeln festlegen

Im Hinblick auf Kostensenkung und breite Streuung bietet es sich an, komplett mit transparenten Indexfonds zu arbeiten und ganz auf Einzelwerte zu verzichten. Die Handelsregeln müssen die Verlustbegrenzung sicherstellen, damit Ihnen die relativ hohe Aktienquote nicht zum Verhängnis wird, wenn Sie doch schon nach sechs Monaten an das Geld in der Kriegskasse müssen. Sie können klassisch mit Stopp-Loss-Kursen arbeiten. Wir halten dynamische Indikatoren wie zum Beispiel Trendlinien für geeigneter, da sie auch eine Antwort auf die Frage nach dem Wiedereinstieg bieten.

Fünftens: Diszipliniert handeln

Von der Investorenlegende Warren Buffet stammt der Satz, dass Geldanlage einfach ist, aber nicht leicht. Er spricht auf unsere allzu menschliche Neigung an, je nach Gefühlslage von unseren Regeln abzuweichen und uns damit zu schaden. Erfolgreiche Geldanlage setzt deshalb Disziplin voraus. Da unemotionales, regelbasiertes Handeln mit fremdem Geld leichter ist als mit eigenem, lagern immer mehr Unternehmen das Management der Kriegskasse an bankenunabhängige Vermögensverwalter wie PRIVACON aus. Sprechen Sie mich gerne dazu an!

Andreas Zittlau ist Geschäftsführender Gesellschafter der PRIVACON Vermögensverwaltung, ein Partnerunternehmen der INTES.